Wie Politik Spaß macht

Wie Politik Spaß macht

Die südhessische Delegation mit Udo Bullmann. Lukas Dittrich(2 v.r.), Franziska Linhart (5 v.r.)

Bereits Freitag-Nachmittag starteten die Beratungen der Bundes-Jusos über die Positionierung des Verbands zu zukunftsweisenden Themen wie der Stärkung der ländlichen Räume, einer Energiewende, die niemanden zurücklässt und der Abschaffung des Paragraphen 219a, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt – noch. Denn die Jungsozialist*innen sind so stark wie sehr lange nicht. Ihr Wort hat Gewicht im politischen Richtungsstreit und kann zum Ende von Karrieren führen, wie Hans-Georg Maaßen feststellen musste. Entsprechend selbstbewusst eröffnete der Bundesvorsitzende Kevin Kühnert den Kongress, der im Zeichen des Hashtags „AusÜberzeugung“ stattfand. Er hob hervor, dass besonders die Mindestauszubildendenvergütung auf der Agenda der nächsten Monate stehe. Dabei sparte er nicht mit Kritik an der CDU-Ministerin Karliczek. Wer eine Untergrenze auf Höhe des Schüler-BAföG fordere, mache einen gravierenden Denkfehler. Während das BAföG eine Sozialleistung sei, würden Auszubildende für ihre geleistete Arbeit entlohnt. Ein entscheidender Unterschied, besonders in der Wertschätzung, so Kühnert.

Aus dem Wetteraukreis waren Lukas Dittrich (Niddatal) und Franziska Linhart (Limeshain) das Wochenende in Düsseldorf dabei. Anstrengend sei es gewesen, die – grob überschlagen – 26 Stunden Beratungen an drei Tagen durchzustehen. Doch die positiven Seiten überwiegen: „Wir haben eine sehr gute Positionierung zur Stärkung der ländlichen Räume gefunden. Den Antrag aus Thüringen haben wir mit zahlreichen Änderungen ergänzt.“ Dabei gebe das Kommunale Spannungsfeld des Wetteraukreises die besonderen Herausforderungen wieder, so Dittrich. Demnach setzen die Jusos für eine „bedarfsgerechte Mittelzuweisung an die Kommunen, zur Organisation der „letzten Meile“ zwischen Wohnort und Bahnhof“ ein. Außerdem fordert der Jugendverband die soziale Infrastruktur, wie Bibliotheken und die Jugendarbeit zur kommunalen Pflichtleistung zu erklären. „Damit der ländliche Raum lebenswert bleibt und nicht einem notorischen Sparzwang zum Opfer fällt“, erklärt Dittrich. „Natürlich geht es auch darum Arbeitsplätze zu schaffen. Und da sind primär Bund und Länder gefordert, ihre Verwaltungen zu dezentralisieren.“, so der Wetterauer Juso-Vorsitzende weiter.

Der von den südhessischen Jusos eingebrachte und beschlossene Antrag zur Energiewende sorgte am letzten Tag der Konferenz für rege Diskussionen der Delegierten. „Wir Jusos halten an dem Ziel der 100% erneuerbaren Energien fest und fordern eine von Gewinnmaximierungen losgelöste, sozialverträgliche, dezentrale Energiewende“, erklärt Linhart. „Entscheidend ist für uns, dass alle von der  Energiewende profitieren“, stellt die stellvertretende Vorsitzende der Jusos Wetterau klar. Im Gegensatz zu den Grünen, denen es ausreiche, dass einfach der Sprit teurer werde. Damit lasse man den größten Teil der Gesellschaft hinten runter fallen. „Besonders die Energielobby hat mit unserer Position ein Problem, denn dezentral bedeutet, dass sich jede*r Hausbesitzer*in seine Solarplatten auf das Dach stellt und damit unabhängig von den vier großen Konzernen wird“, zeigt Linhart das Profil der Sozialdemokraten auf.

„Die Diskussion um eine ökologisch nachhaltige Zukunft bedarf dringend sozialdemokratischer Federführung. Die Grünen werden ihrem Namen nicht gerecht – sie haben sich zu einer wertkonservativen Lifestyle- und Feelgoodpartei entwickelt, die stetig von Umweltphänomenen profitiert, aber selbst in Regierungsverantwortung nicht entsprechend handelt.“, fordert Linhart.

Auch zahlreiche Gäste besuchten den Bundeskongress. Allen voran die beiden designierten Kandidat*innen zur Europawahl, Katharina Barley und der Gießener Udo Bullmann. Auch der Generalsekretär Lars Klingbeil und der Düsseldorfer OB hielten Reden. Medial besonders beachtet wurde der Auftritt von Andrea Nahles. Die SPD-Vorsitzende schaltete auf Attacke, Kühnert konterte, so entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, der zeigte: die Ziele sind ähnlich, doch über den Weg gibt es geteilte Meinungen.

Mit den gesammelten Eindrücken fuhren die Delegierten zurück in den Wetteraukreis.
„Bedanken wollen wir uns auch bei allen anderen Delegierten aus Südhessen. Wir haben gut zusammengearbeitet und uns super unterstützt. So bauen wir in einem geschlossenen Verband Vertrauen auf und wir machen gerne Politik zusammen.“

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