Wehrmachts-Skandal bei der Jungen Union Rheingau-Taunus: Jusos fordern Aufklärung

Wehrmachts-Skandal bei der Jungen Union Rheingau-Taunus: Jusos fordern Aufklärung

Bei einer politischen Bildungsfahrt der JU-Kreisverbände Rheingau-Taunus und Limburg-Weilburg kam es in Berlin zu einem mittlerweile bundesweit beachteten Zwischenfall. Nach einem Gespräch beim Bundesvorsitzenden der Jungen Union kamen Mitglieder aus dem Rheingau-Taunus-Kreis und aus Limburg-Weilburg in einer Berliner Kneipe zusammen.

Dort wurden sie dabei gefilmt, wie sie lautstark das Westerwaldlied gemeinsam angeklungen haben. Das Lied wurde von der Wehrmacht während ihrer Einmärsche in Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg gesungen. Mittlerweile ist dieses Lied, das aufgrund seiner Bekanntheit Bestandteil des Liederbuches der Bundeswehr war, vom Bundesverteidigungsministerium zurückgezogen worden.

„Natürlich ist das Westerwaldlied dem reinen Text nach kein nationalsozialistisches Liedgut. Von der politischen Jugendorganisation einer staatstragenden Partei erwarte ich aber, dass sie in der Lage ist, den historischen Kontext des Liedes zu erkennen. Deswegen hilft es jetzt auch nicht, das Westerwaldlied als harmloses Volkslied darzustellen“, so Thomas Wieczorek, Vorsitzender der Jusos Rheingau-Taunus.

„Hinzu kommt, und das ist besonders geschmacklos, dass dieser Vorfall in der Nacht vom 9. auf den 10. November stattgefunden hat – ausgerechnet am 80. Gedenktag der Novemberpogrome von 1938, in der hunderte Juden getötet worden sind und über 1.000 jüdische Einrichtungen, Synagogen und Geschäfte in Schutt und Asche gelegt worden sind. Wie man an diesem Tag auf die Idee kommen kann, grölend Wehrmachtslieder zu singen, ist mir ein Rätsel.“

Laut Augenzeugen und Medienberichten waren etwa 15 Personen der 30-köpfigen Reisegruppe an dieser Aktion beteiligt. Mit Nils Josef Hoffmann ist der Vorsitzende der Jungen Union Limburg-Weilburg auch eindeutig in den Filmaufnahmen zu erkennen.

Die Junge Union Rheingau-Taunus gilt nicht zuletzt wegen ihres ehemaligen Vorsitzenden Sebastian Reischmann als Teil eines rechtsgerichteten Netzwerkes in Deutschland. Reischmann, der wie Klaus-Peter Willsch dem CDU-Ortsverband Hohenstein angehört, pflegt seit längerer Zeit überregional enge Kontakte zur AfD.

„Die Junge Union Rheingau-Taunus hat jetzt die Gelegenheit, sich von diesen Vorfällen klar zu distanzieren und die Vorkommnisse zu bedauern. Sie muss jetzt den hohen moralischen Ansprüchen gerecht werden, die sie sonst so gerne bei anderen anlegt. Die Steuerzahler, die diese „Bildungsreise“ des CDU-Nachwuchses mitfinanziert haben, haben Anspruch darauf, dass diese Vorfälle transparent aufgeklärt werden“, so Wieczorek.

„Ich begrüße, dass die Junge Union Berlin und die Junge Union Hessen großen Klärungsbedarf sehen und diese Kreisverbände nun genauer unter die Lupe nehmen wollen.“

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