Jahresempfang der Jusos Bergstraße mit bildungspolitischen Experten

Bensheim. Am vergangenen Samstag veranstalteten die Jusos Bergstraße ihren diesjährigen Jahresempfang unter dem Titel “Politische Bildung und ihre Rolle im Kampf gegen Rechtspopulismus” in der Alten Faktorei in Bensheim. Der Vorsitzende des SPD-Nachwuchses, Marius Schmidt, begrüßte den bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen, sowie den Kreisschülersprecher Tarek Stucki aus Viernheim.
Er sprach die Erfolge der Rechtspopulisten von Trump in den USA oder Höcke und Gauland in Deutschland. „Vielleicht sind die ‚Vergessenen‘, wie Trump sie nannte, diejenigen, die nicht von der sogenannten ‚Bildungsexpansion‘ profitieren.“, erinnerte Schmidt an die immer größere Anzahl von Abiturienten und Studierenden in Deutschland. Rechtspopulisten könnten Menschen einfangen, die vermutlich eine nicht so sichere Zukunft aufgrund ihres Bildungsabschlusses haben und ihre Ängste um Arbeitsplätze instrumentalisieren, um gegen Andere zu hetzen. Im Gegensatz dazu führe die Akademisierung dazu, dass Menschen mit einer vermeintlich sicheren Zukunft offener sind für Themen wie Globalisierung und Flüchtlinge, da sie oft aufgrund ihres Abschlusses keine Existenzsorgen haben müssen.

Christoph Degen, ehemaliger Förderschullehrer und Landtagsabgeordneter, unterteilte politische Bildung in die Bereiche Schule, Land und Vereine oder Organisationen. In der Diskussion wurde die fehlende Präsenz der Landeszentrale für politische Bildung an Schulen, beispielsweise durch Planspiele, kritisiert. Grund dafür sei das zur Verfügung stehende Budget, das im Vergleich zu Bundesländern wie Rheinland-Pfalz eher gering ausfalle. Schmidt und Stucki berichteten von einem ebenfalls geringen Budget für Kreisjugendring und Landesjugendring.
Zudem sollte die Beteiligung der Schüler an Entscheidungen selbstverständlich sein für jeden Lehrer, um das demokratische Verständnis zu verstärken. Hierzu benötige es beispielsweise die verstärkte Thematisierung von Klassensprecherwahlen und die Einbindung der Schüler bei der Wahl des Ortes der Klassenfahrt in der Lehrerausbildung.

Die Jusos konnten Degen Themen für den Arbeitskreis Bildung und Kultur sowie das Programm für den 2018 bevorstehenden Landtagswahlkampf mitgeben. Einigkeit herrschte bei dem Thema Drittelparität. Schüler, Eltern und Lehrer sollen zu gleichen Teilen vertreten sein. Zudem soll die Schülervertretung ernst genommen werden. Hierzu berichtete Kreisschülersprecher Tarek Stucki von seiner Arbeit. Wie auch Degen sprach er sich dafür aus, nicht nur die Struktur der Schulen, sondern auch die Inhalte des Unterrichts anders zu gestalten. Politik sollte den Schülern lebhafter nahegelegt werden. Sie sollen verstehen, warum im Unterricht darüber geredet wird. Hierzu zitierte er Heraklit:“ Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.“

Erdkunde, Politik und Wirtschaft sowie Geschichte könnten zu Gesellschaftskunde zusammengelegt werden, da viele Themen in allen drei Fächern gelehrt werden. Ein Thema, bei dem es sonst zu Überschneidungen in besagten Fächern komme, könnte direkt aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.
Die neuere Geschichte nach dem 2. Weltkrieg komme oft zu kurz oder werde überhaupt nicht behandelt. „Aber gerade Ereignisse wie der Mauerfall sind wichtig, um Einheit und Frieden in Deutschland und in Europa zu schätzen.“, bekräftigt Stucki seine Kritik.
Zudem fanden das Modell der Landesschülervertretung zur modularisierten Oberstufe, echte Ganztagsschulen und kleine Klassen große Zustimmung bei den Beteiligten.

Wahlrecht ab 16
Gerade der Brexit zeige, dass junge Menschen unter den Entscheidungen der Älteren, welche aufgrund des demografischen Wandels in der Mehrzahl sind, leiden. Junge Menschen sind durchaus fähig, sich eine eigene Meinung zu bilden. Diese sollte aber auch angehört werden.
Laut Schmidt trage Politische Bildung zu einer höheren Wahlbeteiligung, einer geringeren Anfälligkeit für Radikalisierung und einer sachlicheren Auseinandersetzung bei.

Ein gutes Mittel zur politischen Bildung an Schulen seien U-18 Wahlen. Ein Vorschlag war auch, Klassenlehrerstunden für Berichte aus der Schülervertretung zu nutzen, um die Arbeit der Schülervertretung oder auch der Kreisschülervertretung bekannter und transparenter zu machen und alle Schüler zu beteiligen.

“Alle AFD-Wähler als Rechtsextreme oder Ungebildete zu bezeichnen, wäre arrogant”, meinte Degen. Viel wichtiger wäre beispielsweise die Arbeit im Bundestag zu erklären. „Die Menschen sehen einen halb leeren Bundestag, wissen aber oft nicht, dass Bundestagsabgeordnete oftmals viele Termine gleichzeitig haben und vielleicht gerade in einem Ausschuss sitzen.“, ergänzte Stucki.

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